Blattjagd: Expertentipps zur Blattzeit von Klaus Demmel

Was sind die Blattzeit und die Blattjagd?

Die Blattzeit ist die Hochphase der Rehwildbrunft. Die Böcke stellen den Ricken nach und versuchen jede Ricke in Ihrem Territorium zu beschlagen. Bei der Blattjagd werden mit Hilfe eines Rehblatters die Lautäußerungen der Ricke imitiert, und es wird versucht, den Bock zum zustehen zu bewegen. Kaum eine andere Jagdart ist so spannend und ereignisreich. Es ist der alljährlich jagdliche Höhepunkt im Rehwildrevier. Spannende Ansitze und Pirschgänge sind garantiert.

Die Lockjagdspezialisten Klaus Demmel und Alexander Busch verraten die besten Blattjagdtipps, die auch den heimlichsten Bock aufs Blatt springen lassen.

Portrait eines Rehbocks, erlegt bei der Blattjagd mit dem Rottumtaler Rehblatter Bockstrecke mit Klaus Demmel

Wo im Revier ist der beste Standort für die Blattjagd?

Blatten im Wald

Im Wald sind dunkle Bereiche, wie schattige Altholzbestände mit niedrigem Bewuchs, immer erfolgsversprechend – wenn möglich mit genügend Abstand zum Einstand, achtzig bis hundert Meter sind ideal. Natürlich kann nicht nur vom Boden, sondern auch von Hochsitzen aus geblattet werden, dabei müssen wir aber eines immer beachten: niemals Böcke auf kürzere Distanzen von erhöhter Warte aus anblatten, denn jeder Rehbock weiß natürlich, dass die Ricken und Schmalrehe nicht von den Bäumen “pfeifen”. Wird dagegen genügend Abstand zum Einstand eingehalten, bietet die erhöhte Warte nur Vorteile. In der Praxis hat sich auch die Verwendung eines mobilen Blattstandes bewährt.

Tarnstand für die Blattjagd im Wald, der Jäger ist nur schwer auszumachen
Abbildung: Ein mobiler Blattstand kann maßgeblich dazu beitragen, den Jäger und seine Ausrüstung mit der Umgebung verschmelzen zu lassen.

Blatten im Feld

Der grundsätzliche Unterschied zur Jagd im Wald ist das viel größere Sichtfeld. Darin besteht aber auch die Schwierigkeit, Böcke über weite Distanzen auf das Blatt zustehen zu lassen. Bei der Jagd im Feld ist es durchaus möglich, von der Kanzel aus zu jagen, da man so große Schläge überblicken kann. Vorzugsweise beginnt man hier mit leiseren Sequenzen, um zu schauen, ob sich Böcke im näheren Umfeld befinden. Hat man einen Bock in weiter Ferne erspäht und er springt aufs Blatt, ist es wichtig, nicht zu früh mit dem Blatten aufzuhören. Oftmals dringen die Böcke beim zustehen in das Revier eines anderen Bockes ein und treten schnell den Rückzug an, wenn die Verlockung nicht mehr groß ist.

Welche Blatter gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Mundblattern und Handblattern. Bei dem Mundblatter, z.B. dem Rottumtaler Rehblatter, werden die Tonsequenzen durch die Luft und eine kleine Membran erzeugt. Es können unterschiedliche Tonhöhen moduliert werden. Bei einem Handblatter, wie z.B. dem Buttolo-Blatter, werden die Töne durch das zusammendrücken des Blasebalgs erzeugt. Dieser lässt die Luft durch eine Membran strömen. Die größte Vielfalt an Tönen lässt sich mit einem Mundlocker erreichen, was allerdings auch mehr Übung verlangt.

Wie Blatte ich richtig?

Nachdem wir, je nach Wind und Tageszeit, den Blattstand ausgewählt und bezogen haben, sollte unbedingt eine Wartezeit von zehn bis fünfzehn Minuten eingehalten werden, damit die Umgebung wieder zur Ruhe kommt und der Jäger nicht mit dem Blatten verknüpft wird. Danach werden hintereinander verschiedene Serien, mit jeweiligen Pausen dazwischen, abgespielt. Diese sollen ein realistisches Brunftszenario widergeben.

Wir beginnen mit den ersten Fiepserien, und nun zeigt sich, wer Zuhause fleißig geübt hat und den Umgang mit dem Blattinstrument beherrscht.

Wichtig ist, dass verschiedene Serien durchgespielt werden, denn der Bock kann sich in verschiedenen Situationen befinden und reagiert auf den der Situation entsprechenden Laut.
Machen Sie sich auch keine Gedanken wenn einmal ein schräger Ton entsteht, ein paar falsche, schräge Töne haben häufig keine negative Auswirkung. Nehmen Sie sich ein Herz und geben Sie Ihrem Gefühl freien Lauf. Stellen Sie sich einfach vor “Sie sind das Schmalreh das nach dem Bock ruft”, oder “Sie spielen die Ricke, und stellen sich vor, der Bock hängt Ihnen hinten an der Schürze”, dann sind Sie auf dem richtigen Weg!

Saftig-grüne Wiese mit verhoffendem Rehbock, der zum Betrachter blickt

Abbildung: Der Bock steht aufs Blatt zu, jetzt bloß nicht bewegen.

 

In der Videoanleitung erklärt Klaus Demmel die Handhabung des Rottumtaler Rehblatters.

 

Eine ausführlichere Anleitung mit nützlichem Hintergrundwissen bietet z.B. die Blattjagd Live (DVD), oder auch die Blattjagd mit dem Rottumtaler Rehblatter (CD)

Die Lehr-DVD Blattjagd live mit Klaus Demmel Die Lehr-CD Blattjagd mit Klaus Demmel

 

Was sind die wichtigsten Töne bei der Blattjagd?

Im Folgenden sind die wichtigsten Laute für das erfolgreiche Ausüben der Blattjagd zu finden.

Rickenfiep (Piaaa-Laut): Lautäußerung der Ricke die auf der Suche nach einem Bock ist. Mit der wichtigste Laut in der Blattzeit

Geschrei: Eine Steigerung des Rickenfiep, Ricke wird bedrängt

Sprengfiep: Diesen Laut gibt die Ricke ab, wenn Sie vom Bock getrieben wird. Man gaukelt hiermit dem Bock vor, dass ihm ein Nebenbuhler in seinem Revier die Ricke streitig macht.

Kizfiep: Imitiert das Kitz, das nach der Ricke ruft, diese wiederum zieht den Bock mit

Wann ist die beste Zeit zum Blatten beim Rehwild?

Vom Datum aus gesehen, gibt es zwei erfolgsversprechende Zeiten: Den Brunfteingang und den Brunftausgang. Der Brunfteingang ist die Zeit etwa vom 25. bis 28. Juli. Um diese Zeit sind die Böcke noch in guter Kondition und reagieren sehr gut. Danach folgen in der Regel vier bis fünf Tage, wo der Erfolg eher spärlich ist. Ab dem 2. August kommt die zweite Phase, der Brunftausgang. Bis etwa 10. August hält die Blattzeit an, und flacht dann schnell ab. Um welche Uhrzeit geblattet wird, hängt stark von der Witterung ab. Bei bedecktem Himmel und nicht allzu großer Hitze, oder gar bei regnerischem Wetter, kann den ganzen Tag über erfolgreich geblattet werden. Bei Hitzeperioden sollten dagegen unbedingt die frühen Morgen- und die späteren Abendstunden genutzt werden.

Infografik Blattzeit, mit stark ansteigendem Graphen zur Hochphase ab 25. Juli und 2.August

In der Grafik sind die besten Zeiträume für die Blattjagd dargestellt. Auffällig sind die Hochphasen zum Brunfteingang sowie zum Brunftausgang.

Ausrüstung für die Blattjagd

Neben dem Blatter sind Windprüfer und Zielstock hilfreiche Jagdutensilien. Gerade wenn der Bock auf dem Weg zum Blattstand schon in Anblick kommt, ist es sehr hilfreich, eine sichere Auflage dabeizuhaben. Wird vom Boden aus geblattet, hat sich ein Vierbein besonders bewährt, da dort die Waffe im Anschlag abgelegt werden kann. Mit minimaler Bewegung ist man schussbereit. Diese Jagd zu ebener Erde ist besonders spannend und ereignisreich.

Alexander Busch mit Rehblatter und Schießstock am Blattstand
Abbildung: Die Waffe ist beim Blatten auf dem Vierbein abgelegt.

Tarnung bei der Blattjagd

Wenn vom Boden oder von offenen Leitern oder Ansitzböcken aus geblattet wird, bietet es sich an, die hellen Körper- und Handpartien mit geeigneter Tarnkleidung zu verdecken. Dies verspricht auf Dauer mehr jagdlichen Erfolg. Denn auch der liebestolle Bock wird den hektischen Griff zur Waffe oder zum Fernglas auf kurze Distanz eräugen und misstrauisch werden. Daher bietet die Verwendung von Tarnutensilien wie Gesichtsmasken und Tarnhandschuhen dem Jäger die Möglichkeit, sich freier zu bewegen.

Alexander Busch in Tarnkleidung und mit Fernglas auf der Pirsch

Die richtige Waffe für die Blattjagd

Zur Blattjagd sollte man eine führige Waffe nutzen, welche man häufig verwendet und die einem vertraut ist. Denn die sich bei der Blattjagd schnell verändernden Situation erfordern Übung im schnellen Umgang mit der Waffe. Ob Büchse oder eine kombinierte Kipplaufwaffe ist dabei zweitrangig. Auch variable Zielfernrohre, z.B. 2-8 oder 2-12, sind vorteilhaft. Diese ermöglichen dem Jäger einen besseren Situationsüberblick, wenn der Bock schnell zusteht. Sie sollten auf eine möglichst kleine Vergrößerung (3-4-fach) gestellt sein. Dies ermöglicht ein schnelles reagieren gerade bei kurzen Distanzen wenn der Bock überraschend zusteht.

Teaser zum Blattjagd-Lehrmaterial von Klaus Demmel:

 

Die wichtigsten Tipps zur Blattjagd und Blattzeit

Fragen und Antworten

Was ist die Blattzeit?

Die Blattzeit ist die Brunft des Rehwildes und spielt sich in den meisten Revieren von Mitte/Ende Juli bis Anfang/Mitte August ab. Das Wetter spielt eine große Rolle. Trockenes, warmes Wetter, mit ab und an einem kleinen Gewitter ist ideal, wohingegen regnerisches, kühles Wetter die Brunft eher hemmt. Zum Ende der Blattzeit ist die Chance für den Jäger, Beute zu machen, am höchsten.

Wie lange dauert die Blattzeit?

Die Blattzeit des Rehwildes dauert von Mitte/Ende Juli bis Anfang/Mitte August.

Bei welchem Wetter sind die Erfolgschancen beim Blatten am Größten?

Trockenes warmes Wetter, mit ab und an einem kleinen Gewittern ist ideal, wohingegen regnerisches kühles Wetter die Brunft eher hemmt. Zum Ende der Blattzeit ist die Chance für den Jäger am höchsten Beute zu machen.

Welche Tageszeit eignet sich für die Blattjagd am besten?

Es hängt etwas vom Wetter ab. An heißen Tagen eigenen sich die Morgen- und Abendstunden oder die Zeit nach einem Regenschauer. Auch die Mittagsstunden zwischen 11:00 und 13:00 Uhr sind erfolgversprechend.

Wann springen die Böcke am besten auf das Blatten?

Am einfachsten wird es zum Ende der Brunft. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Ricken beschlagen und die Auswahl für den Bock wird deutlich geringer, so dass er oft schnell aufs Blatt zusteht.

Benötige ich eine spezielle Waffe oder ein spezielles Kaliber für die Blattjagd?

Oft muss es schnell gehen, der Bock taucht aus dem Nichts auf und viel Zeit bleibt nicht. Eine vertraute Waffe ist hierbei das Wichtigste.

Ist Tarnkleidung erforderlich?

Gerade bei der Jagd vom Boden ist Tarnkleidung vorteilhaft. Tarnhandschuhe und ein Kopfnetz, um die hellen Hautpartien und Bewegungen zu verdecken, sind empfehlenswert.

Mit welchem Lockruf beginne ich?

Der Rickenfiep eignet sich gut für den Start. 3 bis 4 Serien im Abstand von 90-120 Sekunden.

Wird der Rehbock bei falschen Tönen misstrauisch?

Der Rehbock stört sich in der Regel nicht daran. Einfach weitermachen und mit Gefühl in die nächste Serie starten.

Wie lange bleibe ich an einem Standort?

Nach der letzten Serie macht es Sinn, noch ca. 30-45 Minuten still am Standort zu verharren. Manch älterer Bock wechselt vorsichtig und langsam an. Zu schnelles Abbaumen vergrämt Ihn dann.

Mit welchem Locker habe ich die meisten Erfolge?

Wichtig ist, dass man einen Locker hat, mit dem man gut umgehen kann, den man beherrscht. Dementsprechend sollte man weit vor der Blattjagdsaison mit dem Üben beginnen und sich mit seinem Instrument vertraut machen.

Wie bringe ich den Bock zum Verhoffen, und was tue ich, wenn er spitz verhofft?

Rehwild lässt sich wie kaum eine andere Wildart durch Anschrecken zum Verhoffen bringen. Der Warnlaut sorgt dafür, dass das Stück umgehend oder nach wenigen Sprüngen verhofft und sichert.

Lässt sich ein gefehlter Bock nochmals heranblatten?

Einen bereits gefehlten Bock am selben Tag zu überlisten, wird schwierig. An den darauffolgenden Tagen sollte dies jedoch kein Problem darstellen. Es konnten sogar angeschweißte Stücke zum Zustehen gebracht werden, obwohl sie tags zuvor noch nachgesucht wurden.

Welches Kaliber eignet sich am besten für die Bockjagd?

Grundsätzlich genügen die gängigen 5,6er-Kaliber. Größere Kaliberdurchmesser, z.B. 7,62mm oder 8mm, bieten jedoch Vorteile in dichter Vegetation und liefern zuverlässig Ausschuss und deutliche Pirschzeichen am Anschuss.

 

Naturmaterialien treffen traditionelle Handwerkskunst:

Blattjagd-Lockinstrument Rottumtaler Rehblatter, Ausführung RoseBlattjagd-Lockinstrument Rottumtaler Kitzfiep Spezial

Rehblatter Rottumtaler, Rottumtaler Kitzfiep Spezial

Erlegter Rehbock mit von der Sonne angestrahltem Gehörn Ein erlegter Rehbock im Portrait Ein abnormer erlegter Bock Ein weiterer in der Blattzeit erlegter Rehbock Vier erlegte Böcke

Schlagwörter: ,

Über Alexander Busch

Alexander Busch ist von Kindesbeinen an mit der Jagd verbunden und begleitete den Vater schon als 4-jähriger mit großer Begeisterung zum Jagen. Er führt Wachtelhunde und ist JGHV Verbandsrichter. Alexander Busch schreibt für die Jagdzeitschrift "Wild und Hund" und ist als Buchautor tätig. Sein Wissen gibt er als Referent in zahlreichen Seminaren u. a. für den Jägerlehrhof Jagdschloss Springe, BJV Landesjagdschule Wunsiedel, "Wild und Hund Aktiv", Landesjagdverband NRW, Land Rover Live und Hegeringveranstaltungen weiter.