Die Verengung im Bereich der Flintenmündung, auch als Choke bezeichnet, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Streuung der Schrotgarbe. Das heißt, welche Breitenausdehnung sie auf eine bestimmte Entfernung hat. Vereinfacht kann man sagen: Je stärker der Laufinnendurchmesser im Bereich der Mündung verengt wird, desto stärker wird die Garbe zusammengehalten. Verengt sich der Lauf gar nicht oder nur minimal, wird dies als Zylinderchoke bezeichnet. Im Gegensatz dazu, handelt es sich beim Voll- beziehungsweise Extravollchoke um die maximale Verengung des Laufinnendurchmessers. Dazwischen gibt es Abstufungen (siehe Tabelle).
Wirkungsweise Choke und Garbenausdehnung

Choke-Bezeichnungen und -Markierungen
| Bezeichnung | Abkürzung | Gängige Markierungen der Wechselchokes | ||
|---|---|---|---|---|
| Deutsch | Englisch | |||
| Zylinder | Cylinder | CL | IIIII | ***** |
| Viertel | Quarter / Improved Cylinder | IC | IIII | **** |
| Halb | Half / Modified | M | III | *** |
| Dreiviertel | Improved Modified | IM | II | ** |
| Voll | Full | F | I | * |
(Weitere Zwischengrößen wurden aus Vereinfachungsgründen und in Hinblick auf ihre geringe Bedeutung in der jagdlichen Praxis nicht dargestellt)




Welche Faktoren beeinflussen die Wirkung des Chokes?
Feste Chokes, Wechselchokes, Herstellervariationen
Man unterscheidet feste Chokes, die mit der Flinte verbunden sind, und Wechselchokes, die, je nach Anwendungszweck, herausgedreht und ausgetauscht werden können. Bei Letzteren gibt es eine riesige Auswahl an Varianten, und das nicht nur von den Waffenherstellern selbst. Es hat sich auch ein großer Drittanbieter-Markt in den vergangenen Jahrzehnten gebildet. Die Wirkung eines Chokes ist in Bezug auf die Größe jedoch nicht genormt, und es gibt innerhalb der Hersteller gewisse Schwankungen. Auch von der verwendeten Patrone und dem Zusammenspiel der dort verbauten Komponenten hängt es unter anderem ab, wie stark sich die Garbe ausdehnt oder zusammengehalten wird. So können zwei Waffen unterschiedlicher Hersteller bei gleicher Chokegröße durchaus unterschiedlich streuen. Sogar dieselbe Waffe kann eine Varianz in der Streuung bei unterschiedlichen Patronensorten aufweisen. Zugegebenermaßen ist dieser Aspekt aus jagdlicher Sicht aber nicht so entscheidend, was die unterschiedliche Verengungen der Garbe betrifft.
Einfluss des Zwischenmittels
Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Gleichmäßigkeit der Garbe. Mit den größten Einfluss bei einer Schrotpatrone in Hinblick auf die Wirkung des Chokes hat das Zwischenmittel. In aller Regel schießen Patronen mit Filzpropfen offener, das heißt, die Garbe ist größer, als solche mit einem Schrotbecher. Wie sich die eigene Flinte genau verhält, sollte man durch Beschuss eines großen Papiers oder auch einer gekalkten Anschusswand überprüfen. Der Fachhandel hält auch entsprechende Schrot-Anschussscheiben, wie etwa die 16-Felder-Scheibe, vor. Welche Auswirkung verschiedene Chokes auf die Garbenverteilung haben, ist aus der folgenden Tabelle ersichtlich.
Anzahl Schrote innerhalb einer 75cm-Scheibe auf 35m
| Choke | Anzahl Schrote | Prozent |
|---|---|---|
| Zylinder | 131 | 41% |
| Viertel | 170 | 53% |
| Halb | 192 | 60% |
| Dreiviertel | 201 | 63% |
| Voll | 229 | 72% |
Aufgezeigt wird die Anzahl der Schrote innerhalb einer 75-Zentimeter-Scheibe auf 35 Meter Entfernung bei einer Benelli „Cordoba“ mit verschiedenen Chokes. Als Patrone wurde die „RC32“ mit 32 Gramm Vorlage und 2,7 Millimeter (mm) verwendet. Sie enthält im Schnitt 320 Schrote.

Enger Choke vs. offener Choke
Reichweite und Wirkung
Aus jagdpraktischer Sicht könnte man die Sache mit den Chokes folgendermaßen formulieren: Je enger der Choke, desto größer ist zwar die (theoretische) Reichweite der Flinte, aber desto schwieriger wird auch das Treffen gerade auf normale jagdliche Distanz. Andersherum gilt natürlich auch: Je offener der Choke, desto mehr Spielraum hat man beim Treffen. Aber andererseits ist eben auch die Reichweite gerade bei geringem Wild begrenzt, da die Garbe früher Lücken aufweist. Die Herausforderung bei der Chokewahl liegt darin, einen gesunden Kompromiss zu finden, der den jagdlichen Gegebenheiten, der Größe des Wildes und der Waffe Rechnung trägt. Aus meinen eigenen Erfahrungen und intensiven Anschusstests bevorzuge ich eher offene Bohrungen. So reicht gerade bei eher feinerem Schrot (2,7 mm) selbst auf größere Distanzen die Deckung auch für geringeres Wild immer noch völlig aus.

Schussdistanzen in der Praxis, oder: Schrotzahl und realer Nutzen
Es bringt keinen Vorteil, wenn das Wild anstatt von neun von 25 Schroten getroffen wird. Es gibt nicht „toter als tot“, lediglich eine unnötige Entwertung des Wildbrets. Bei vielen Jagdarten mit der Flinte beträgt die durchschnittliche Schussdistanz jedoch gerade einmal 20 bis 25 Meter. Sei es bei der spätsommerlichen Lockjagd auf Rabenkrähen, dem Entenstrich am kleinen Teich, der Taubenjagd etwa auf Schadkulturen, der Baujagd im Winter oder der sommerlichen Stoppeljagd auf Graugänse. In diesen Situationen ist man mit einem Zylinder- oder auch Viertelchoke bestens gerüstet. Beim Angehen von Enten am Fließgewässer, den herbstlichen Treibjagden oder den winterlichen Taubentagen sind die Schussdistanzen im Schnitt etwas größer, weshalb man hier ruhig ein bis zwei Größen enger wählen kann, beispielsweise Viertel- und Halb- anstatt Zylinder- und Viertelchoke. Natürlich spielt aber auch das Zielwild eine Rolle. Je stärker die Wildart, desto weniger fallen die größer werdenden Lücken bei eher offenen Chokes ins Gewicht, da mehr Fläche innerhalb der Garbe durch das Wild eingenommen wird. So ist eine Gans im Vergleich zu einer Schnepfe auch in diesem Sinn riesig.
Was tun bei festen Chokes mit enger Bohrung?
Gerade ältere Flinten mit festen Chokes sind häufig sehr eng gebohrt. Eine gängige Kombination ist Halb- und Vollchoke. Hier können Streu- oder Schrotpatronen mit Filzzwischenmittel bei bestimmten Jagdarten helfen, dass sich die Garbe auch auf kürzere Distanz mehr öffnet. So trifft man meist nicht nur besser, sondern beugt auch einer übermäßigen Wildbretentwertung auf kurze Distanzen vor. Auch hier sollten die verschiedenen Patronen vor der Jagd getestet werden, um die passende Flinten-Munition-Kombination zu finden.
Auswirkungen der Jahreszeiten auf die Chokewahl
In Hinblick auf die Schussdistanzen besteht jedoch auch häufig ein Zusammenhang mit den Jahreszeiten. Bei der Lockjagd auf Krähen, Tauben, Enten und Gänse sind die Schussdistanzen im Sommer oder Frühherbst in aller Regel durchschnittlich geringer als die im Winter zum Ende der Jagdsaison. Das hängt unter anderem an der Vegetation, aber vor allem an dem Dazulernen des Wildes im Lauf der Saison. Insofern kann man im Winter die Chokes – gerade für den zweiten Lauf, falls vorhanden – ruhig eine Größe enger wählen, beispielsweise Halb- statt Viertelchoke.
Mit welchem Choke bin ich am flexibelsten?
Aus meiner Sicht ist die universellste und für fast alle Jagdarten und Jahreszeiten geeignete Wahl der Viertelchoke bei Selbstladeflinten. Bei Bock- und Doppelflinten die Kombination aus Zylinder- und Viertel- oder Viertel- und Halbchoke. Es gibt wenige jagdliche Situationen, die sehr enge – etwa Vollchokes – erfordern. Dazu mag der Ansitz am Luderplatz zählen. Die Physik begrenzt jedoch die Reichweite der Flinte, da die Energie der Schrote bei zunehmender Distanz zur Mündung abnimmt. Zum waidgerechten Jagen sollte jeder seine Schussentfernung begrenzen und auch das eine oder andere Wild vorbeistreichen oder -passen lassen, anstatt zu versuchen, mithilfe des Vollchokes diese Marke immer weiter zu verschieben.

Für die jagdliche Praxis und den Schießstand ist es äußerst hilfreich, wenn man über die Auswirkungen verschiedener Chokes Bescheid weiß und sich auch in Hinblick auf die eigene Flinte einmal Gedanken gemacht oder das Zusammenspiel selbst einmal getestet hat. Jedoch sollte man die Sache nicht unnötig verkomplizieren und womöglich dauernd, auch während der Jagd, an den Chokes rumschrauben. Flintenschießen ist Kopfsache und erfordert die volle Konzentration. Wer während der Schussabgabe darüber nachdenkt, ob er hoffentlich auch die richtige Bohrung gewählt hat, hat schon so gut wie vorbeigeschossen. Denn die Chokes sind nur ein Baustein im Kontext des erfolgreichen Flintenschießens.
Welchen Choke für welche Wildart verwenden?
Der passende Choke für die Krähenjagd
Für die Jagd auf Krähen im Sommer empfiehlt sich bei Bock- und Doppelflinten eine Kombination aus Viertel- und Halbchoke. Grund hierfür ist die Unerfahrenheit der Jungkrähen sowie die Vertrautheit der adulten Krähen, so dass die durchschnittliche Schussentfernung häufig nur 20 bis 25 Meter beträgt. Wer mit einer Selbstladeflinte jagt kann diese mit einem Viertelchoke ausrüsten, da sich die Schussdistanzen im Jahresverlauf durchschnittlich erhöhen, empfehle ich im Winter engere Chokes. Beispielsweise Halb- und Dreiviertelchokes zu verwenden. Bei Selbstladeflinten empfiehlt sich der Halb- oder Dreiviertelchoke.
Der passende Choke für die Entenjagd
Beim Entenstrich, der häufig mit geringeren Schussdistanzen verbunden ist, empfiehlt es sich die Bock- oder Doppelflinte mit Zylinder- oder Viertelchoke und Halbchoke auszustatten. Bei der Jagd mit der Selbstladeflinte empfehle ich ebenfalls einen Viertelchoke zu verwenden. Da die Schussdistanzen beim Angehen der Enten in der Regel größer sind können hier engere Chokes, wie z.B. Dreiviertelchokes oder Vollchokes, die Deckung der Garbe und somit den Jagderfolg erhöhen. Die Selbstladeflinte kann mit einem Halb- oder Dreiviertelchoke ausgerüstet werden.
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