Tipps zum Einschießen von Büchsen & Anschussscheibe zum Herunterladen

Für die Jagdausübung verlangen wir von unseren Büchsen, dass sie präzise schießen und einen möglichst geringen Streukreis erreichen. Diese Voraussetzungen können die Waffen jedoch nur erfüllen, wenn sie sich in einem tadellosen Zustand befinden und perfekt eingeschossen worden sind. Es gibt jedoch einige Gründe (z.B. Munitionswechsel, Waffe umgekippt, Zielfernrohr angeschlagen), weshalb die Büchse erneut kontroll- und ggfs. neu eingeschossen werden muss.
Das Kontroll- und Einschießen sollte nach Möglichkeit immer durch den Waffenbesitzer selbst erfolgen, weil z.B. jeder Mensch „anders guckt“ und es den sicheren Umgang mit und das Vertrauen zur Waffe enorm fördert. Da sich vor dieser Aufgabe aber bekannterweise viele Jäger „drücken“ und es gern dem Büchsenmacher ihres Vertrauens überlassen, soll dieser Artikel die Vorgehensweise zum Einschießen von Büchsen veranschaulichen.
Außerdem stellen wir Ihnen die eigens entworfenen Anschussscheiben weiter unten zum Download zur Verfügung.

Trauen Sie sich, und machen Sie es selbst – es ist viel leichter als Sie denken!

Für das Einschießen oder Kontrollschießen von Büchsen benötigt man neben der Gewehr ausreichend Munition und Anschussscheiben Ein typischer Fehler ist das Handauflegen auf das Zielfernrohr oder den Lauf. Dies sollte beim Einschießen vermieden werden.

1. Vorbereitung

Bevor man zum eigentlichen An- und Einschießen fährt, wird die Büchse zu Hause auf jegliche Mängel kontrolliert und wenn nötig gereinigt. Dabei sollte die Waffe vor allem die nachfolgenden Kriterien erfüllen:

  • Freischwingender Lauf (kann leicht mit einem Blatt Papier, dass man ohne Widerstand zwischen dem Lauf und dem Schaft bis zum Patronenlager durchziehen können sollte , getestet werden)
  • Fester Sitz des Systems im Schaft
  • Feste Zielfernrohrmontage (ist oft eine Ursache für eine plötzliche Präzisionsverschlechterung!)
  • Saubere Optik
  • Einwandfreier Abzug
  • Sauberer und entölter Lauf ohne jegliche Verschmutzungen / Geschossrückstände
  • Entöltes Patronenlager

Zur Vorbereitung gehört es ebenfalls, sich ausreichend Munition mit der gleichen Losnummer zuzulegen. Eine andere Chargen-Nummer kann bei gleicher Laborierung nämlich auch eine andere Treffpunktlage bedeuten. Zum Einschießen sollte daher nur die Munition verwendet werden, die auch bei der Jagd selbst verschossen wird. Sollten noch Patronen von einem anderen Los vorhanden sein, ist es ratsam, diese vor dem Einschießen zu verbrauchen oder nur noch als Übungsmunition, z.B. auf den laufenden Keiler, zu verwenden.

Erst jetzt geht es auf den Schießstand mit 100 m-Bahnen. Handeln Sie dort nur gemäß den Sicherheitsvorschriften und verfallen Sie nicht in Hektik. Ein vernünftiges und sicheres Übungs-, Kontroll- und Einschießen braucht Zeit.

2. Vor dem Schuss

Als Auflage für den Vorder- und Hinterschaft sollten Anschussböcke und/oder Sandsäcke bevorzugt werden, in denen das Gewehr weich gebettet liegen kann. Auf keinen Fall darf der Schaft Kontakt zu harten Oberflächen wie Metall oder Holz haben und die Waffe auf dem Lauf aufliegen. Das führt zu Hochschüssen. Der Lauf muss frei schwingen können.

Da die Scheiben des Schießstandes oftmals ziemlich zerschossen sind, empfehlen wir die Verwendung von eigenen Anschussscheiben, die nach Rücksprache mit der Schießstandaufsicht meist einfach auf die Schießstandscheiben getackert oder geklebt werden können.
Hier können Sie sich die Hubertus-Fieldsports Anschussscheiben für Büchsen kostenlos downloaden.

Der "Klassiker" unter den Anschussscheiben Benchrest-Zielscheibe für das Präzisionsschießen Zielscheibe für das Benchrest-Schießen Einfach gehaltene Anschussscheibe für Kontrollschüsse Einschießscheibe, die bspw. gut für Punkt-Absehen genutzt werden kann Zielscheibe für das Kontroll-, An- oder Übungsschießen Hubertus-Fieldsports Anschussscheibe für den Schießstand Scheibe zum Büchsen Ein-, An- und Kontrollschießen

Die Körper- und Sitzhaltung muss möglichst bequem sein, sodass die Waffe nahezu spannungsfrei gehandhabt werden kann. Außerdem sollte möglichst aufrecht gesessen und die Höhe der Auflage so eingerichtet werden, dass die Schaftkappe voll in die Schulter eingezogen werden kann. So wird der Rückstoß gut abgefangen.

Beide Arme samt Ellenbogen müssen aufliegen, um die waffenseitige Präzision voll ausnutzen zu können.

Mit der freien Hand nicht auf das Zielfernrohr oder den Lauf drücken, sondern allenfalls den Hinterschaft unterstützen.

Ein typischer Fehler ist das Handauflegen auf das Zielfernrohr oder den Lauf. Dies sollte beim Einschießen vermieden werden.

3. Schussabgabe

Nach Einnahme der günstigen Körperhaltung, sollte die Waffe zunächst angeschossen werden. D.h. es wird überprüft, wie und wohin das Gewehr überhaupt schießt. Dazu werden mit sorgfältigem Zielen mindestens 3, besser aber 5 Schüsse immer auf den gleichen Haltepunkt angetragen.
Vor allem bei kombinierten Waffen mit verlöteten Läufen ist darauf zu achten, dass die Läufe zwischen den Schüssen wieder ausreichend abgekühlt sind! 10 Minuten sollte man mindestens warten.

Für die Schussabgabe selbst sollten Sie Ihren Atem kontrollieren und „richtig“ Abziehen:
Nach einem tiefen Atemzug wieder halb ausatmen und anschließend die Luft anhalten. Den Druck des genau von vorn an den Abzug angelegten vordersten Glieds des Zeigefingers langsam und gleichmäßig erhöhen bis Sie vom Schuss „überrascht“ werden. Die Hand sollte dabei möglichst ruhig bleiben.
Um den Knall abzudämpfen, sollte der Mund bei der Schussabgabe leicht geöffnet sein. Außerdem raten wir immer zur Verwendung eines Gehörschutzes! Das beugt dem „Mucken“, also dem unabsichtlichen Verreißen der Waffe, vor.
Probieren Sie während und nach dem Schuss weiter durch das Zielfernrohr zu schauen, um den Schussablauf nicht zu unterbrechen.

Erst nach der ersten Schussserie wird die Scheibe zur Beurteilung der Schussgruppe herangeholt.

4. Bewertung des Schussbildes

Schießt die Waffe nicht dorthin, wohin sie soll, muss sie neu eingeschossen werden. Dazu wird der Abstand (Höhen- und Seitenabweichung des Gruppenmittelpunktes) vom Haltepunkt gemessen und das Zielfernrohr justiert. Man muss es dahin drehen, wohin der Schuss gehen soll. Bei den meisten Gläsern bedeutet 1 Klick = 1 cm.
Um das optimale Entfernungsspektrum von Jagdpatronen ausnutzen zu können, sollte die Büchse auf die Günstigste Einschussentfernung (GEE) eingeschossen werden. Dafür sollten die Treffer der Patronen auf 100 Meter Entfernung ca. 4,0 cm über dem Haltepunkt liegen. So nutzt man die Flugkurve des Geschosses und kann bis rund 200 m ohne große Treffpunktverlagerungen schießen.
Rotpunkt- / Fluchtvisiere sollten hingegen auf 50 – 70 Fleck eingeschossen werden.

Beim Einschießen sollten Streukreise von maximal 5 Zentimetern erreicht werden. Je geringer, desto besser! Man muss nämlich immer bedenken, dass die Streuung auf der Jagd durch schlechtere Schiessbedingungen oft fast doppelt so groß ausfällt.

Nicht jedes Geschoß ist aus dem eigenen Büchsenlauf gleich präzise. Daher sollte man verschiedene Patronen testen, um "die Beste" ermitteln zu können.

Ist die Büchse eingeschossen, ist es sinnvoll, noch einige Probeschüsse in verschiedenen Positionen (stehend angestrichen, liegend, freihändig) auf die Wildscheiben zu machen. Übung macht den Meister!

Auch beim Schießen gilt: Übung macht den Meister! Sowohl sitzend aufgelegt... ... als auch auf bewegte Ziele wie den laufenden Keiler

5. Bereit für die Praxis

Erst, wenn die Waffe präzise eingeschossen und der Schütze im Umgang mit dieser voll vertraut ist, sollte er zur Jagd gehen. Gerade in jagdlichen Situationen, wo man oftmals aufgeregt und angespannt ist, zahlt sich das Üben aus. Die waidgerechte Erlegung einer Kreatur sollte uns allen schließlich am Herzen liegen!

Über Alexander Busch

Alexander Busch ist von Kindesbeinen an mit der Jagd verbunden und begleitete den Vater schon als 4-jähriger mit großer Begeisterung zum Jagen. Er führt Wachtelhunde und ist JGHV Verbandsrichter. Alexander Busch schreibt für die Jagdzeitschrift "Wild und Hund" und ist als Buchautor tätig. Sein Wissen gibt er als Referent in zahlreichen Seminaren u. a. für den Jägerlehrhof Jagdschloss Springe, BJV Landesjagdschule Wunsiedel, "Wild und Hund Aktiv", Landesjagdverband NRW, Land Rover Live und Hegeringveranstaltungen weiter.