Die Krähenjagd im Jahresverlauf

Das Verhalten von Rabenkrähen verändert sich im Laufe der Jagdsaison.

Dieser Artikel soll Ihnen nahe legen, wie man das intelligente Wild über Monate hinweg erfolgreich bejagt.

 

Jäger legt Strecke mit Rabenkrähen Rabenkrähen fliegen über einen Stoppelacker mit Lockvögeln

Die Krähenjagd kann – im Rahmen der geltenden Jagd- und Schonzeiten – fast das ganze Jahr über ausgeübt werden. Allerdings existieren einige Besonderheiten, die je nach Jahreszeit zu beachten sind. So gibt es Monate, in denen die Bejagung deutlich weniger Erfolg verspricht, als zu anderen. Besonders erfolgreich sind in der Regel die Jagden zu Beginn der Saison im Juli, August und September. In diesem Zeitraum werden in aller Regel auch die höchsten Strecken erzielt. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die vor wenigen Wochen flügge gewordenen Jungvögel in großer Schar unterwegs sind. Sie sind in der Regel noch relativ unerfahren und damit auch unvorsichtig. Auf der Suche nach Nahrung und dem Anschluss an Artgenossen fliegen sie die Lockbilder sehr gut an. Wer fleißig jagt, kann hier bereits einen gewissen Teil der Jungkrähen aus dem jeweiligen Brutjahr abschöpfen.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund für den guten Jagderfolg in dieser Zeit: Bis in den Oktober hinein werden auf den Feldern verschiedene Arbeiten verrichtet, die eine hohe Anziehungskraft auf die Krähen ausüben. Zum Beispiel das Grubbern und Pflügen von Äckern sowie Ausfahren von Mist.

Schlepper bearbeitet Feld auf dem Krähen sitzen Rabenkrähen auf einem Feld

Dies sorgt dafür, dass sich die Krähen an bestimmten Orten für kurze Zeit konzentrieren und dort besonders gut bejagt werden können. Gerade in Gegenden mit einer sehr großen Anzahl an Krähen ist die Reduktion im Sommer von großer Bedeutung für die Absenkung der Gesamtpopulation.

In den Wintermonaten November und Dezember fällt der Erfolg dagegen meist deutlich geringer aus. Die Tage sind zudem sehr kurz und die Krähen in aller Regel deutlich skeptischer als im Sommer. Insbesondere dann, wenn vorher intensiv in dem jeweiligen Revier gejagt wurde. Es macht aus diesem Grund durchaus Sinn, in diesen Monaten mehr oder weniger Jagdruhe auf die schwarzen Gesellen zu halten, wenn ihnen vorher entsprechend stark nachgestellt wurde.

Ab Mitte Januar bis zum Ende der Jagdzeit lohnt es sich, die Krähen sehr intensiv zu bejagen, ist doch das Niederwild in der bevorstehenden Brut- und Setzzeit bei der noch niedrigen Vegetation im zeitigen Frühjahr besonders gefährdet. Die Bejagung wird zudem mit der beginnenden Territorialität der Krähen wieder deutlich leichter. Werden die Krähen scharf bejagt, schöpft man einen ganzen Teil der Population ab. Ein Teil der restlichen Krähen weicht aber auch in Gebiete mit weniger Druck aus. Wenn einige Zeit nicht gejagt wurde, zum Beispiel im Sommer während der Schonzeit, drängen aus umliegenden Gebieten wieder Krähen ins Revier. Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass Krähenjagd im Sinne der Niederwildhege auf möglichst großer Fläche betrieben wird.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Krähenjagd ist, bei jeder Jagd den Standort zu wechseln. Grundsätzlich meiden Krähen einmal bejagte Flächen eine Zeit lang, in Abhängigkeit davon, wie attraktiv diese Flächen sind und welche anderen Möglichkeiten dem Flugwild zur Verfügung stehen. Hochattraktive Nahrungsquellen, wie Silomieten, Kompostierungsanlagen oder auch Mülldeponien, werden generell weit weniger lange gemieden als ein Acker, der genauso attraktiv ist wie alle anderen Äcker der Umgebung. Das merkt man recht deutlich daran, dass das Flugwild nun auf den Nachbarfeldern einfällt. Wo die Krähen einfallen, hängt auch sehr stark von der allgemeinen Nahrungssituation ab. So üben reich beschickten Futterplätze im Winter eine sehr viel höhere Attraktivität aus als im Sommer oder Herbst, wenn Nahrung reichlich verfügbar ist. Welche Flächen zu welcher Jahreszeit besonders gerne aufgesucht werden ist in der unten stehenden Tabelle dargestellt.

Im Vorfeld einer Krähenjagd müssen die Flächen für die Jagd erkundet werden, die von den Krähen zu dieser Zeit frequentiert werden.

Jäger beobachtet Krähen

Wird dies berücksichtigt, beantwortet sich die Frage, wie oft an einer bestimmten Stelle gejagt werden kann, in der Praxis sozusagen von selbst: nämlich so oft, wie dort eine entsprechende Anzahl von Rabenkrähen einfällt. Generell gilt, lieber seltener, aber dafür richtig und vor allem mit sehr guter Vorbereitung zu jagen.

Zu Beginn der Jagdzeit, bei uns in Niedersachsen am 1. August, beginne ich mit einem relativ einfachen Lockbild. Es besteht nur aus beflockten Vollkörperkrähen sowie einem oder maximal zwei Krähenmagneten.

Lockbild für die Krähenjagd vor Tarnschirm Blick aus dem Tarnschirm auf das Lockbild für die Krähenjagd

Alle weiteren Ergänzungen im Lockbild hebe ich mir für später im Jahr auf, damit ich noch eine Steigerungsmöglichkeit habe. Es gilt hier sozusagen das „Pulver trocken zu halten“, für Zeiten, in denen die Krähen schon skeptischer geworden sind. Ein interessanter Aspekt in diesem Zusammenhang ist das Auftreten von größeren Krähenschwärmen.

Krähenschwarm auf Stromleitung über Stoppelfeld

Wenn ein solcher auf das Lockbild zusteht, können wir uns schon darauf einstellen, dass ein Großteil den Ort des Geschehens wieder verlassen wird, sprich es jede Menge „Zeugen“ geben wird. Aus diesem Grund kann es durchaus Sinn machen, größere Schwärme (ab circa 20 Stück) zum Anfang der Saison unbeschossen zu lassen. Hier spielt es allerdings eine Rolle, wie oft man in nächster Zeit jagen wird. Es macht keinen Sinn, solche Krähen nicht zu beschießen, wenn man in der Saison ohnehin nur drei oder viermal zur Krähenjagd geht. Kommen die Krähen nur einzeln oder zu zweit, sichert dies natürlich den größten Erfolg.

Jäger geht in Anschlag, um Krähe zu erlegen Rabenkrähe wird bei der Krähenjagd geschossen

Das gilt eben auch für den langfristigen Jagderfolg, da es kaum, oder besser noch, keine Zeugen gibt, die aus dieser Situation lernen können. Kurz vor Ende der Jagdzeit pardoniere ich einen solchen Schwarm natürlich nicht. Zum einen verlieren die Krähen über die Schonzeit wieder ihre Skepsis, zum anderen soll das Niederwild im Revier ein Stück weit vom Vergrämungseffekt profitieren.

Wer im Verlauf der Saison feststellt, dass ein Teil der Krähen bereits etwas vorsichtiger wird, kann nun anfangen im Lockbild kleine Steigerungen und vor allem auch Variationen einzuleiten. Das beginnt mit der Anzahl der Lockkrähen, die man in solchen Fällen stark variieren kann. Die Krähen dürfen kein Muster erkennen, aus dem sie lernen können. Man kann sogenannte „Vertrauenslockvögel“ (engl.: confident decoys) zur Ergänzung und Veränderung des Lockbildes am Rand oder auch weiter abseits einsetzen. Dies können zum Beispiel Graureiher-, Möwen-, oder auch Taubenattrappen sein.

Lockbild für die Krähenjagd mit anderen Lockvögeln erweitert

Wichtig ist aber auch in diesem Zusammenhang, nie alles gleich aufzubauen, und den Einsatz dieser Lockvögel eher sparsam zu dosieren. Wenn die Jagd zum Ende der Saison schwierig wird, kann man die Anzahl der Krähenmagnete auf drei oder vier erhöhen, um mehr Bewegung im Lockbild zu erhalten. Gerne setze ich auch Halbschalen-Lockkrähen auf sogenannten Krähen-Wacklern ein, die diesen Leben in Form von pickenden Bewegungen einhauchen. Eine weitere gute Möglichkeit den Krähen mehr Sicherheit am Lockbild zu vermitteln, sind Wächterkrähen, die mit Hilfe von Liftstangen und Lifthaken in die Bäume gesetzt werden.

Mit Lifthaken im Strauch befestigte Lockkrähe Zwei Lockkrähen im Strauch

Durch diese Position sind sie sehr weit zu sehen und vergrößern damit die Reichweite des Lockbildes. Sie suggerieren aber auch zusätzliche Sicherheit, da sie mit einem solchen Überblick potentielle Feinde früher erkennen könnten. Man kann die Wächterkrähen nicht nur auf Bäumen, sondern auch auf Zaunpfählen oder einfach nur auf der Liftstange im Gelände platzieren. Ich setze manchmal bis zu zehn Wächterkrähen ein. Eine weitere Option der Veränderung stellen Deckenreste oder ein Hasenbalg im Lockbild dar.

Deckenreste im Krähenlockbild

Diese täuscht eine potentielle Beute im Lockbild vor, um die sich die Krähen streiten. Man kann aber auch mal einen anderen Joker ziehen: Die Tüten großer amerikanischer Fastfood-Ketten eignen sich auch sehr gut als Ergänzung für das Lockbild. Gerade im Umfeld größerer Städte kennen die Krähen diese „Wundertüten“ meist ganz genau.

Da die Krähen im Spätherbst und Winter tendenziell skeptischer sind, ist die durchschnittliche Schussweite im Vergleich zu den Augustjagden oftmals größer. Aus diesem Grund wähle ich zu dieser Zeit häufiger Schrotpatronen mit einer Nummer größer. 2,5 Millimeter (mm) ist mir in dieser Zeit etwas zu wenig. Aus diesem Grund nehme ich Schrotpatronen mit 2,7 und manchmal sogar 3 mm.

Jäger im MAX-4 Tarnanzug lädt seine Flinte im Tarnschirm Der Jäger in MAX-4 Tarnkleidung lädt seine Selbstladeflinte

Aufgrund der größeren Vorsicht der Krähen zu dieser Jahreszeit, nutze ich bei meinen Schirmen öfter natürliche Deckung im Vergleich zum Sommer oder Herbst. Gerade Gräben oder auch ein niedriger Strauch bieten dazu gute Deckungsmöglichkeiten.

Tarnschirm für Krähenjagd vor Strauch

Im Spätherbst beziehungsweise Winter hat man auch immer wieder das Problem, dass alle Äcker mehr oder weniger gleich attraktiv sind und die Krähen sich dadurch auf sehr großer Fläche verteilen. Hier kann man dem Erfolg durchaus durch Anludern – sofern die Landesgesetzgebung dies zulässt – nachhelfen. Besonders gut reagieren Krähen auf das Ausbringen von Luder in Form von Aufbrüchen und aufgefangenem Schweiß. Das liegt zum einen daran, dass Nahrung knapp ist, auf der anderen Seite auch an der optischen Auffälligkeit solcher Gaben. Noch stärker gilt dies bei Schneelage.

Luder unter Krähenmagnet

Es empfiehlt sich, drei bis vier Tage vor der geplanten Jagd mit dem Anludern zu beginnen. Dabei sollte auf keinen Fall immer zu einer festen Zeit ausgebracht werden, um zu verhindern, dass die Krähen immer zur gleichen Zeit kommen und alle in einem Schwarm eintreffen. Im Sommer kann man sich das Anludern in aller Regel sparen, da der Effekt gering ist. Die Krähenjagd bei Schneelage stellt insgesamt höchste Anforderungen an den Jäger.

Die Krähen bemerken kleinste Fehler, die den Schwindel sofort auffliegen lassen. Dies gilt selbst bei der Verwendung von Schneetarnnetzen und Schneetarnkleidung. Leichter Schneefall während der Jagd oder auch das Überreifen der Decoys macht die Lockjagd auf Krähen unmöglich. Die weiß überzogenen Lockvögel fallen anstreichenden Krähen sofort auf und der Lauf bleibt blank.

Krähenlockbild bei Schnee Mit Reif überdeckte Lockkrähe

An solchen Morgen kehrt man ohne große Beute heim. Aber das ist ja zugleich das spannende an der Jagd…

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Über Alexander Busch

Alexander Busch ist von Kindesbeinen an mit der Jagd verbunden und begleitete den Vater schon als 4-jähriger mit großer Begeisterung zum Jagen. Er führt Wachtelhunde und ist JGHV Verbandsrichter. Alexander Busch schreibt für die Jagdzeitschrift "Wild und Hund" und ist als Buchautor tätig. Sein Wissen gibt er als Referent in zahlreichen Seminaren u. a. für den Jägerlehrhof Jagdschloss Springe, BJV Landesjagdschule Wunsiedel, "Wild und Hund Aktiv", Landesjagdverband NRW, Land Rover Live und Hegeringveranstaltungen weiter.