
Um bei der Krähenjagd erfolgreich zu sein, ist der Aufbau eines realistischen Lockbildes erforderlich. Doch wie stellt man ein solches Lockbild zusammen, wie viele Lockvögel sollte man aufstellen, was muss man in Bezug auf die Windrichtung beachten? Hier ein paar Tipps aus der Praxis.
Das freundliche Lockbild
Mit Aufkommen des freundlichen Lockbildes erfuhr die Lockjagd auf Krähen förmlich eine Revolution und es wurden Tagesstrecken möglich, die man sich vorher nie hätte träumen lassen. Doch was bedeutet eigentlich der Begriff „freundliches Lockbild“?


l: Einfallende Krähen am Lockbild, r: Einfallende Krähen auf frisch gegrubbertem Acker
Wie bei der Taubenjagd imitieren wir mit dem freundlichen Lockbild Krähen, die auf dem Acker sitzen und der Nahrungsaufnahme nachgehen. Hierbei machen wir uns zwei Aspekte zunutze: das Sicherheitsbedürfnis der Rabenvögel und das Nahrungsbedürfnis beziehungsweise den Futterneid. Kaum ein Vogel ist so futterneidisch wie die Rabenkrähe. Hat sie eine Ansammlung von Artgenossen entdeckt, muss sie unbedingt vorbeischauen, was die Kollegen dort Interessantes zu fressen gefunden haben.
Der Vorteil des freundlichen Lockbildes liegt in seiner Alltäglichkeit im Leben der Krähen. Es sichert ihnen ihr Überleben. Mehrmals am Tag setzen sich Krähen zu anderen Krähen auf den Acker. Wenn wir mit dem freundlichen Lockbild jagen, werden sich die überlebenden Krähen noch am gleichen Tag wieder zu anderen Krähen hinzusetzen und damit auch wieder positive Erfahrungen machen. Das freundliche Lockbild imitiert einen Bestandteil ihrer tagtäglichen Verhaltensweisen. Das ist es, was die Jagd mit dem freundlichen Lockbild so erfolgreich macht.
Was benötigt man für das Lockbild?

Bei der Jagd sollte auf beflockte Lockkrähen zurückgegriffen werden. Der Vorteil der beflockten Lockkrähen ist darin begründet, dass der mattschwarze Flock einen höheren Kontrast ergibt, wodurch die Lockvögel von anfliegenden Krähen besser wahrgenommen werden können. Darüber hinaus verhindert der Flock störende Reflexionen auf den Lockvögeln, die für anfliegende Krähen wie ein Warnsignal wirken können. Für Abwechselung im Lockbild können einige beflockte Lockelstern sorgen. Auf die Verwendung von FUD-Rabenkrähen sollte verzichtet werden, da sie Reflexionen erzeugen und ihr Farbton nicht die satte Farbe der beflockten Lockkrähen besitzt. Vor vielen Jahren haben wir auch erlegte Vögel als Lockvögel eingesetzt. Dies hat sich jedoch nicht bewährt, da es sehr schwierig ist diese lebensecht zu platzieren – sie wirken in aller Regel eher unnatürlich. Ein weiteres Problem ist in diesem Zusammenhang die Haltbarkeit. Vor allem im Sommer ist man sehr schnell von Fliegenschwärmen umgeben.


l: Vertraut im Lockbild sitzende Krähe, r: Gelandete Rabenkrähe zwischen Lockvögeln


l: Beflockte Lockkrähe, r: Vergleich unbeflockte, beflockte und erlegte Krähe
Die optimale Anzahl der Lockkrähen
Bei der Krähenjagd können es eigentlich nie zu viele Lockkrähen sein. Es gilt auch hier die Devise: „Viel hilft viel“. Mindestens 10 sollten es sein. Als wirklich effektiv haben sich Lockbildgrößen von mindestens 25 Attrappen plus Krähenmagnet erwiesen. Doch auch 40 und mehr Lockvögel können verwendet werden. Ich verwende in der Regel zwischen 25 und 60 Stück, denn die Anzahl der Lockkrähen ist immer ein Indikator für die Attraktivität einer Nahrungsquelle beziehungsweise des Futterplatzes. Insbesondere im Winter, wenn das Nahrungsangebot knapp ist, lässt sich dies, z.B. bei Fallwild im Straßenverkehr, gut beobachten. Im Umkehrschluss bedeutet das aus Sicht der Krähen: Haben sich viele Artgenossen an einer Stelle versammelt, muss dort eine besonders attraktive Nahrungsquelle sein.




Verschiedene Lockbildvarianten
Der Aufbau des Lockbildes
Eine Frage, die sich vielen stellt: „Wie muss das perfekte Lockbild bei der Krähenjagd aussehen?“
Diese Frage ist relativ leicht zu beantworten: Genauso, wie Krähen im Schwarm auf einem Acker sitzen. Es gibt keine festen Regeln oder gleiche, feste Muster. Der Aufbau der Lockkrähen im Lockbild erfolgt in großen Teilen zufällig. Die Lockvögel werden in einer Art Schwarm auf dem Acker aufgestellt. Die Schnäbel zeigen dabei in verschiedenen Richtungen, keineswegs nur in die Windrichtung. Die Abstände zwischen den einzelnen Krähen werden ebenfalls zufällig und unterschiedlich gewählt. Auf keinen Fall jedoch zu dicht.
Des Weiteren empfiehlt es sich in der Mitte des Lockbildes freie Stellen bzw. Lücken als Landezonen für einfallende Krähen zu lassen. Hier kommt wieder das Sicherheitsbedürfnis der Krähen zum Tragen, denn in der Mitte des Schwarmes ist es am sichersten. Dort versuchen sie hinzufliegen, wenn sie landen. Beutegreifer, wie z. B. der Habicht, schlagen in der Regel am Rand des Schwarmes ihre Beute. Außerdem überfliegen Krähen nur ungerne ihre Artgenossen, sondern setzen sich vor sie. Somit kann der Krähenjäger diese freien Stellen im Lockbild nutzen, um sich vorab auszurichten. Dies wiederum verbessert die Schießleistung und erhöht den Jagderfolg.

Lockbild von oben fotografiert
Ein Krähenschwarm gleicht einem dynamischen Prozess. Die Krähen verändern laufend ihre Position und hüpfen bei der Nahrungsaufnahme auf dem Boden umher. Es landet auch immer wieder mal eine Krähe und setzt sich dazu, oder es fliegen Vögel fort. Insofern ändert sich das Bild des natürlichen Krähenschwarmes innerhalb weniger Minuten immer wieder. Man kann hier durch das Beobachten von Krähen in der Natur sehr viel lernen. Achten Sie einfach beim nächsten Mal darauf, wenn sie auf dem Hochsitz sind und irgendwo in der Ferne ein Krähenschwarm auf dem Acker sitzt! Weil wir unser Lockbild jedes Mal zufällig und damit anders als den letzten Jagden aufbauen, reduzieren wir das Risiko, dass die Krähen hinzulernen. Diese Variabilität bei der Lockbildgestaltung ist ein sehr wichtiger Punkt für eine langfristig erfolgreiche Krähenbejagung.
Die Entfernung der Lockkrähen zum Tarnschirm
Grundsätzlich gilt: Je dichter das Lockbild am Tarnschirm steht, desto eher nehmen die Krähen den Jäger wahr, wenn der sich nur etwas bewegt oder seine Tarnung nicht optimal ist.

Aufbau des Lockbildes
Die Aufmerksamkeit der Krähen richtet sich auf das Lockbild. Steht das im Extremfall „um den Schirm herum“ , ist die volle Aufmerksamkeit der Krähen auch auf ihn gerichtet. Daher sollte die Entfernung zur ersten Lockkrähe circa 8 bis 10 Meter betragen, die zur am weitesten entfernten Lockkrähe circa 20 bis 22 Meter. Diese 20 bis 22 Meter hören sich in Relation zur maximalen Reichweite der Flinte von circa 30 bis 35 Meter sehr wenig an. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Krähe in einigen Metern Höhe fliegt und nicht auf dem Boden daher läuft. – die reale Schussentfernung ist also weiter.
Der Einfluss des Windes
Der Wind ist eine Komponente, die sich massiv auf den Erfolg und vor allem auch auf das Trefferverhältnis des jeweiligen Schützens auswirkt. Wie alle Vögel pflegen Krähen gegen den Wind einzufallen. Wir dürfen unser Lockbild niemals so aufbauen, dass uns der Wind von vorne ins Gesicht weht. Dies hätte zur Folge, dass die Krähen von hinten, aus unserem Rücken, gegen das Lockbild einfliegen und einfallen. Dabei entstehen mehrere Probleme: Die Vögel schauen von oben in den Schirm und die meisten werden dabei sicherlich den Schwindel bemerken: sie werden uns, den Hund oder unsere Ausrüstung erblicken.

Positionierung des Tarnschirmes
Die Krähen drehen nach hinten ab und wir können ihrer kaum noch habhaft werden. Ein weiteres Problem ist der Überraschungseffekt, der jetzt auf Seiten der Krähe ist, denn wir werden jäh mit ihrem Auftauchen konfrontiert. Das wiederum führt zu hektischen Bewegungen und schlechtem Schießen. Ideal ist es daher, wenn Krähen und Wind aus entgegengesetzten Richtungen kommen. Dann positioniert man den Schirm und das Lockbild so, dass der Wind im Nacken zu spüren ist. Die Rabenvögel streichen jetzt aus der Blickrichtung an und kommen ohne eine weitere Schleife zu drehen ins Lockbild. Kommen Wind und Krähen nicht von vorne, muss man die Position von Schirm und Lockbild so wählen, dass die Schwarzen zumindest als Querreiter beschossen werden können.
Wächterkrähen
Wächterkrähen sind höher postierte Lockkrähen, z.B. auf niedrigen Bäumen, Strohballen oder Weidepfählen, die ankommenden Artgenossen zusätzliche Sicherheit suggerieren. Diese Lockkrähen können einfach mittels eines Lifthakens in einem Baum platziert werden. Diese Lockvögel sind immer nur eine Ergänzung des Lockbildes am Boden, sie werden nie alleine und ausschließlich eingesetzt. Durch ihre gute Sichtbarkeit erhöhen sie die Reichweite des Lockbildes mitunter beträchtlich.

Erhöht postierte Wächterkrähen
Eine Krähe, die in solch erhöhter Position wacht, bekommt jeden sich annähernden Feind mit. Dies sorgt für große Vertrautheit bei einstreichenden Artgenossen. Die Wächterkrähen sollten möglichst hoch in den Baum gesetzt werden. Genau dort setzen sich echte Krähen ebenfalls hin und die Sichtbarkeit der Attrappen ist dann am besten. Dies gilt besonders für den Winter, wenn die Bäume nicht belaubt sind. Im Sommer ist die Wirkung deutlich schlechter, da die Silhouette des Lockvogels kaum zu sehen ist. Hierfür können dann jedoch die bereits erwähnten Strohballen und Weidepfähle genutzt werden.






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Exkurs: Variationen im freundlichen Lockbild
Wenn man mit einer gewissen Frequenz ein und dieselbe Krähenpopulation bejagt, ist es von größter Wichtigkeit, Maßnahmen für nachhaltigen Erfolg zu treffen. An erster Stelle steht hier ganz klar eine maximale Tarnung und das richtige Verhalten im Stand – ebenso wenn man den Krähenstrich beendet. Durch einige Tricks und Kniffe kann man aber die Krähen auch dann wieder zum Zustehen bringen, wenn sie ein wenig misstrauisch geworden sind und zwar durch Variationen im freundlichen Lockbild.
Es ist wenig ratsam, den Krähen immer das gleiche Bild zu präsentieren: z.B. eine mehr oder weniger geordnete „Horde“ von 15 oder mehr Lockvögeln. Hier ist Kreativität gefragt! Im Folgenden liste ich einige Ansätze auf, um zu verdeutlichen, was gemeint ist:
Variationen in der Anzahl der Lockvögel
Reduzieren oder erweitern Sie Ihr Lockbild. Kennen die Krähen Ihre 20 Lockvögel, so setzen Sie einfach mal nur 5 heraus! Das Bild was sich bietet, ist ein komplett anderes!
Integration eines Futterlockbildes
Gerade wenn man, wie oben beschrieben, nur mit wenigen Lockvögeln arbeitet, kann eine Beutesimulation der erfolgsentscheidende Faktor sein. Legen Sie z.B. einen Hasen auf den Rücken zwischen die Lockvögel und drapieren Sie 2 oder 3 Vögel in Fressmanier um ihn herum. Eine solche Gruppe kann man etwas abseits auch in ein großes Lockbild integrieren, um die Lockwirkung zu erhöhen! In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich, einen Hasen in der Kühltruhe bereit liegen zu haben. Dieser kann ruhig gefroren ins Lockbild gelegt werden, wenn man ihn in natürlicher Stellung eingefroren hat.
Einsatz von Gleitern
Erweitern Sie Ihr Lockbild, um zwei oder drei Gleiter. Wichtig hierbei ist, die (erlegten) Krähen so naturgetreu wie möglich zu drapieren. Keinesfalls darf der Kopf oder eine Schwinge unnatürlich hängen, zu heftige Bewegung ist durch richtiges in den Wind stellen ebenfalls zu vermeiden.
Variation des Verhältnisses Bodenkrähe zu Wächterkrähe
Setzen Sie einfach nicht 3 sondern mal 8 Krähen in die Bäume! Erweitern können Sie das reduzierte Lockbild am Boden dann ggf. durch eine Beutesimulation.
Präsentation auf anderem Untergrund
Wenn Sie wiederholt z.B. an Stoppeln gejagt haben, dann gehen Sie einfach mal auf die benachbarte Wiese. Das Bild, was Ihre Lockvögel nun entstehen lassen, ist ein ganz anderes! Gerade bei eingezäunten Wiesen empfehle ich auch ein oder zwei Vögel auf die Zaunpfähle zu setzen. Das erhöht die Sichtigkeit des Lockbildes und erzeugt einen sehr natürlichen Eindruck.
Für alle Situationen gilt: Seien Sie kreativ! Orientieren Sie sich an der Natur und setzen Ihre Beobachtungen mit ein wenig Fingerspitzengefühl um. Sie werden sehen: Nachhaltigkeit ist auch bei hohem Jagddruck möglich.
