Den Lockvögeln fällt bei der Krähenjagd insofern eine zentrale Bedeutung zu als dass sie dafür verantwortlich sind die Krähen in die Reichweite unserer Flinte zu bekommen. Aus diesem Grund müssen die Lockvögel möglichst realistisch sein damit heranstreichende Krähen den Schwindel nicht frühzeitig oder am besten gar nicht erkennen. Diese Tatsache ist allen Krähenjägern bestens bekannt, wird jedoch nach dem Kauf der Lockvögel gerne vergessen. So benötigen Lockvögel neben einer umsichtigen Behandlung auch einer gewissen Pflege, besonders vor dem Beginn der neuen Saison.
Für jeden Lockjäger sollte der getrennte Transport und Aufbewahrung von Spießen beziehungsweise Füßen und den Lockvögeln selber selbstverständlich sein. Dennoch wird man es nie ganz verhindern können, dass die Lockvögel verschmutzen. Das häufigste Problem dabei ist anhaftende Erde. Es kommt aber auch bei manchen Jägern vor, dass die Lockvögel am Ende der Jagd feucht weggeräumt werden und nicht zum Trocknen dem Sack entnommen werden. Die Überraschung ist dann groß wenn man morgens um 4:30 Uhr auf dem Acker steht und feststellt, dass die Lockvögel von einem weißen Schimmelschleier überzogen sind. Bei feuchtem Wetter kriechen gerne Schnecken über die Lockvögel. Der hinterlassene Schleim sorgt für einen glitzernden Effekt im eingetrockneten Zustand. Auch dieser lässt die Lockvögel unnatürlich erscheinen und verrät ankommenden Vögeln den „faulen Zauber“. Der erste Schritt der Vorbereitung auf die neue Saison ist somit das kontrollieren und gegebenenfalls Reinigen sowie Ausbessern der Lockvögel. Dies geschieht bei den beflockten Lockvögeln mit warmen Wasser und einer weichen Bürste oder noch besser einem Malerpinsel. Die Reinigung mit Letzterem ist zwar etwas zeitintensiver dafür aber auch deutlich schonender. Es empfiehlt sich die Lockvögel nicht erst am Abend vor der Jagd zu reinigen, da es vorkommt das Stellen die einem sauber erschienen nach dem Trocknen der Vögel plötzlich wieder dreckig sind. Hier muss erneut gereinigt werden. Es ist völlig normal dass im Laufe einer harten Jagdsaison -trotz umsichtiger Behandlung- die Beflockung der Lockvögel leidet. Man kann diesem Umstand vorbeugen indem man die Lockvögel sehr vorsichtig transportiert sowie keine im Lockbild sitzenden Krähen beschießt (Schrote!) aber ganz verhindern kann man es nie. Diese Fehlstellen müssen ausgebessert werden. Dies geschieht immer erst nach dem Reinigen. Die kahle Stelle muss mithilfe von Spülmittel von anhaftendem Fett befreit werden, da ansonsten der Kleber nicht hält. Sehr kleine Stellen können auch mit matt schwarzem Lack aus der Sprühdose kurzzeitig geflickt werden. Am besten und bei größeren Stellen unabdingbar ist jedoch das Nachbeflocken. Dies geschieht mithilfe eines speziellen Zweikomponenten-Klebers, der auf die kahle Stelle gestrichen wird und dem Flock, der mithilfe eines Siebes anschließend darüber gestreut wird
Alles hierzu Notwendige ist als sogenanntes Beflockungsset im Handel erhältlich. Wer in der vergangenen Saison noch auf unbeflockte Lockvögel gesetzt hat sollte seine Lockvögel auf jeden Fall nachbeflocken. Dies geschieht nach dem gleichen Prinzip. Bei der Lockjagd gilt „viel hilft viel“, deswegen ist es durchaus eine Überlegung wert vor dem Beginn der Saison noch die Anzahl der Lockvögel aufzustocken. Den beflockten Lockvögeln ist dabei immer der Vorzug zu geben. Als Richtschnur sollte man mindestens 15-25 Lockvögel haben.
Bei Gehörschutz und Krähenmagnet empfiehlt es sich die Batterien zu wechseln oder zumindest Ersatzbatterien einzupacken. Batterien verlieren durch einen Alterungsprozess im Laufe der Zeit ihre Ladung. Es ist ärgerlich wenn dann im entscheidenden Moment „der Saft ausgeht“.
Krähenjagd ohne Tarnung ist undenkbar: wenn die schlauen Vögel den Jäger erkannt haben meiden sie das Lockbild, warnen und betrachten das Ganze höchstens noch aus sicherer Entfernung. Es muss stets bedacht werden, dass Vögel im Gegensatz zum Schalenwild Farben sehen. Tarnbekleidung in Orange, wie wir sie von den Bewegungsjagden kennen ist bei der Flugwildjagd absolut ungeeignet. Diese Tatsache ist den meisten Jägern bekannt. Vielen Jäger unbekannt ist jedoch, dass Vögel auch in dem für uns unsichtbaren UV- Bereich sehen. Der eine oder andere hat das schon mal im Zusammenhang mit Lockvögeln (Sillosock oder FUDs) gehört, die mit einer speziellen UV-Farbe beschichtet sind. Die Bedeutung in Bezug auf die Tarnung ist jedoch mindestens genauso groß. So lassen in Waschmitteln enthaltene optische Aufheller unsere Tarnkleidung für Vögel gut sichtbar werden. Dies ist mit dem Schwarzlichteffekt vergleichbar, der weiße Kleidungsstücke richtig aufleuchten lässt. Aus diesem Grund dürfen wir unsere Tarnkleidung nur mit Colorwaschmittel oder besser noch Haarshampoo waschen um dies zu verhindern. Am besten ist jedoch ein möglichst seltenes Waschen dieser Bekleidung. Tarnkleidung darf und sollte ruhig dreckig sein! Zu Beginn der Saison herrscht häufig sehr heißes Wetter. Aus diesem Grund eignen sich besonders Überziehanzüge aus Netzmaterial oder sehr leichtem Stoff. Funktionsbekleidung ist meistens deutlich zu warm.
Auch der Schirm und die Tarnnetze müssen vor Beginn der Saison ggf. ausgebessert werden. Dies geschieht am besten indem man einmal den Stand komplett aufbaut. Die Netze müssen auf Löcher kontrolliert werden. Leicht flicken lassen sich diese durch kleine grüne oder schwarze Kabelbinder. Die Nylon Tarnnetze (Tarngardine), die im Sichtbereich des Jägers verbaut werden, müssen auch auf Verschmutzungen durch Erde und Schweiß kontrolliert werden. Diese Fremdkörper behindern die Durchsicht und lassen den Jäger einen anstreichende Vögel erst spät bemerken. Auch die Anzahl der für die Befestigung notwendigen Klemmen muss überprüft werden um am Jagdtag einer Überraschung vorzubeugen. Das gleiche gilt für Heringe die für bestimmte Fertigschirme zum Aufbauen nötig sind. Man kann diese Dinge leicht nachkaufen, allerdings nicht um 4:30 Uhr auf dem Acker.
Im letzten Winter sind die Teleskopstangen bei gefrorenem Boden häufiger verbogen. Sofern nicht geschehen sollte man diese vorsichtig, unter Zuhilfenahme eines Schraubstockes, wieder gerade biegen.
Viele Krähenjäger setzen bei der Lockjagd auf Selbstladeflinten. Diese lassen sich in dem engen Schirm schussbereit und mit der Mündung nach oben (Sicherheit!) sehr einfach nachladen. Man verfügt zudem über einen dritten Schuss und sie besitzen ein sehr weiches Schussverhalten was gerade im Sommer durch die dünne Kleidung sehr angenehm ist. Ihr Nachteil ist jedoch, dass sie einer gewissen Pflege und Wartung bedürfen und nicht völlig unanfällig gegenüber Dreck sind. Aus diesem Grund sollte die Selbstladeflinte vor dem Beginn der Saison zerlegt, gereinigt und geölt werden. Bevor man sie jedoch wieder zusammenbaut sollte man das Innenleben entölen, so dass nur ein minimaler Ölfilm zurückbleibt. Eine dickere Ölschicht zieht Staub und Dreck nur so an und kann zu Fehlfunktionen führen. Dies gilt umso mehr für die Jagd in trockener und staubiger Umgebung, was ja derzeit bei der Krähenjagd auf bspw. gegrubberter Stoppel der Fall ist.
Durch den späten Winter und lange anhaltenden Schnee und die damit verbunden Schwierigkeiten und weiteren Schussdistanzen bei der Krähenjagd haben einige Krähenjäger zum Ende der Saison auf eine sehr enge Chokewahl (3/4 oder Vollchoke) gesetzt. Diese sollten jetzt aber dringend gegen Viertelchoke oder Zylinder ausgetauscht werden. Im August liegt die durchschnittliche Schussentfernung eher unter als über 20 m. Bei eng gebohrten Flinten ohne Wechselchokes kann man diesen Nachteil gut mit Streupatronen kompensieren. Mit Schrotgröße von 2,5 und 2,7 mm ist man derzeit bestens gerüstet. Es müssen auf keinen Fall auch die schweren Vorlagen sein. 28, 30 oder 32 g sind mehr als ausreichend und deutlich schulterschonender bei erfolgreicher Jagd. Dies gilt umso mehr bei Verwendung einer Bock- oder Doppelflinte. Aber Vorsicht: bei älteren Selbstladeflinten machen diese leichten Ladungen, die häufig auch einen kurzen Hülsenboden haben, manchmal Probleme.
Man sollte auf jeden Fall auch seinen Patronenvorrat überprüfen. Zur Jagd nehme ich – je nach Ergebnis der vorherigen Aufklärung – mindestens drei Schachteln das heißt 75 Schuss mit. Auf jeden Fall immer doppelt oder dreimal so viel wie man meint zu brauchen.
Auch der Mundlocker sollte vor der ersten Jagd kontrolliert werden. Funktioniert er noch einwandfrei? Sofern möglich sollte man den Locker auch öffnen und auf Verunreinigungen prüfen. Diese lassen sich sehr gut unter dem fließenden Wasserhahn entfernen. Jeden Tag ein paar Strophen auf dem Lockerinstrument lassen einen nicht nur auf die Jagd einstimmen und erhöhen die Vorfreude sondern erfüllen in erster Linie die wichtige Funktion des Übens.
Den wichtigsten Teil der Vorbereitung auf die Krähenjagd stellt die Aufklärungsarbeit dar. Dabei müssen die aktuell bevorzugten Schlaf- und Futterplätze sowie die Flugrouten der Krähen ausgekundschaftet werden, um einen optimalen Standplatz für den Schirm zu finden.
Als Flugrouten werden dabei die Verbindungen von den Schlafbäumen zu den Futterplätzen bezeichnet. Diese können morgens und abends unterschiedlich sein. Da grundsätzlich auf Krähen morgens gejagt werden sollte und die Jagd am Abend nur in relativ wenigen Revieren erfolgversprechend ist (Lerneffekt, wenn die Krähen einem beim Aufbauen beobachten) sollte man auch morgens in aller Frühe beobachten. Da Krähen relativ klein sind ist das Fernglas bei der Aufklärung unerlässlicher Helfer. Besonders interessant sind zu Beginn der Saison gegrubberte Stoppeln, frisch gemähte Wiesen und umgebrochene Ackerflächen. Aber auch Stände in der Nähe von besonderes attraktiven Fraßplätzen wie z. B. Müllkippen, Kompostierungsanlagen, Silos oder Freiland-Schweinezuchten sind besonders erfolgsversprechend. Grundsätzlich sollte man sich immer die Fläche raussuchen, die derzeit am stärksten von den Krähen frequentiert wird. Dies kann sich relativ schnell ändern, insofern bringt es nichts diese Aufklärung Wochen im vorraus zu leisten. Am besten ist es die letzten beiden Tage vor der geplanten Jagd zu beobachten. Feldgehölze, Waldränder oder hohe Baumgruppen sollten bei der Standplatzwahl unbedingt gemieden werden, weil die Krähen dort häufig außerhalb der Schrotschussentfernung angestrichen kommen. Außerdem kann störendes Astwerk die Sicht stark einschränken und eine sichere Schussabgabe verhindern. Besondere Vorsicht ist immer bei in der Nähe verlaufenden Wegen geboten, die morgens in der Dämmerung von „Gassigehern“ genutzt werden. Bei Pferden oder Weidevieh sollte man auf jeden Fall vorher den Besitzer aufsuchen und das Problem ansprechen. Häufig ist es möglich, dass das Vieh zum Jagdtag auf eine andere Wiese gebracht wird.
































